Navigationskonzept

Der wohl wichtigste Faktor, der über eine gute oder schlechte Benutzbarkeit einer Website entscheidet, ist die Navigation. Sie ist das Fundament eines jeden Konzepts.

Für den Nutzer leistet man mit dem Navigationskonzept eine wichtige Vorarbeit: Man sammelt, sortiert und priorisiert die verfügbaren Informationen und ermöglicht so ein schnelles Erfassen des Angebots. Eine gute Navigation macht es dem Nutzer leicht, zwischen für ihn relevanten und irrelevanten Bereichen zu unterscheiden und einen Großteil der möglichen Einstiege schnell ausschließen zu können.

Homogen vs. Heterogen

Eine Navigation braucht ein grundlegendes System, dessen Aufbau einfach verständlich ist. Hierfür kann man sich zweier gegensätzlicher Modelle bedienen: Der homogenen und die heterogenen Navigation. Bei der homogenen Navigation werden möglichst gleiche Navigationspunkte gruppiert. Eine Produktnavigation ist dafür ein klassisches Beispiel. Bei einer heterogenen Navigation werden hingegen grundverschiedene Punkte zusammengefasst, wie das bei den meisten Hauptnavigationen der Fall ist ("Produkte, Service, Kontakt…").

Zu vermeiden sind Mixformen, bei denen der Aufbau erst einen homogenen Eindruck erweckt, zwischendurch unpassende Navigationspunkte dann aber wie Fremdkörper wirken. Ändert sich der Aufbau einer Navigation, verunsichert das. Der Nutzer verliert das Gefühl das System verstanden zu haben und damit auch den intuitiven Umgang.

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Visuelles

Unterteilungen sind die wohl meist unterschätzten Werkzeuge, um eine Navigation besser begreifbar zu machen. Das Schaffen von Gruppierungen hilft dem Nutzer enorm, sein Set an in Frage kommenden Einstiegen zu verkleinern und so schneller ans Ziel zu gelangen. Was in Betriebssystemen gang und gäbe ist, findet man online nur selten.

Bei der Frage nach einem horizontalen oder vertikalen Aufbau ist vor allem zu bedenken, dass gerade eine umfangreiche Navigation vertikal deutlich besser zu erfassen sind. Durch die bündig untereinander stehenden Wortanfänge lässt sich viel schneller von Eintrag zu Eintrag springen. Ein Beispiel für eine gut strukturierte und sehr umfangreiche Navigation ist seit dem Relaunch Amazon.com.

amazon

Über Inhalte navigieren

Allzu oft vergessen wird, dass der Inhalt an sich eine wichtige Rolle im Navigationskonzept spielt. Vor allem auf Verteilerseiten wie der Start- oder einer Themeneinstiegsseite (z.B. eine Produktübersicht) ist der Content als visuelle Navigation enorm wichtig. Zudem hat man hier die Möglichkeit wichtige Punkte durch Größen, Farben und Typografie hervorzuheben, den Nutzer also mehr zu lenken. Das ist über eine reguläre Navigation nur bedingt möglich.

Und die Klassiker?

Einige Navigationsformen haben sich seit Jahrzehnten so stark etabliert, dass sie in eigentlich jedem Konzeptworkshop nachgefragt werden. Was ist das eigentlich mit...

Brotkrümelnavigation

Besser bekannt – und auch deutlich wohlklingender – als Breadcrumb. In Anlehnung an das Märchen der Gebrüder Grimm sollen die Brotkrümel den Weg zurück zum Anfang aufzeigen, also zur Startseite. Der Einsatz ist dann sinnvoll, wenn die Struktur sehr weit in die Tiefe geht. Shops sind hier das Paradebeispiel. Als Grundregel gilt: Kann ich alle Elemente der Breadcrumb auch ohne diese mit nur einem Klick erreichen? Dann ist ein Einsatz meist überflüssig. apple_breadcrumb

Klassischerweise ist eine Brotkrümelnavigation als Bindeglied zwischen der eigentlichen Hauptnavigation und dem Content platziert. Inzwischen erlebt diese Navigationsform, die heutzutage aufgrund immer einfacher werdenden Seitenstrukturen seltener zum Einsatz kommt, ihre Renaissance als Footerelement. Und das völlig zu recht! Der Nutzer hat die Seite bis zum Ende gescrollt, eventuell nicht das Richtige gefunden. Die Position bietet sich also sehr gut an, vor allem weil die eigentliche Navigation sehr weit weg ist. Apple nutzt den Footer dabei nicht nur für eine Breadcrumb, sondern schafft mit einer abgespeckten Sitemap eine weitere Dimension, über die der Nutzer navigieren kann. Apropos Sitemap.

Sitemap

Vor 15 Jahren durfte er in keinem Header fehlen: Der Link zur Sitemap. Dabei ist eine Sitemap ein gutes Zeichen dafür, dass niemand gewillt war sich über ein schlüssiges Navigationskonzept Gedanken zu machen. Dem Nutzer einfach den kompletten Seitenbaum hinzuwerfen ist alles anderes als komfortabel. Die Zeit, die der Bau einer Sitemap kostet, kann man sich meist sparen.

Einzige Ausnahme, neben einer technischen Sitemap für Suchmaschinen, sind eben diese Footer-Sitemaps, die eine Zusammenfassung der wichtigsten Navigationspunkte darstellen.

Suchfunktion

Mit der Suchfunktion verhält es sich ähnlich wie mit den Breadcrumbs: Auch sie muss ihre Daseinsberechtigung erst einmal über ausreichend Content unter Beweis stellen. Ein Suchfeld gibt auch immer das Versprechen ab, auf möglichst viele Begriffe eine Antwort zu haben. Ist das nicht der Fall, weil einfach die durchsuchbaren Inhalte nicht umfangreich genug sind, sollte auf sie eher verzichtet werden.

Der zweite Grundsatz: Lieber keine Suchfunktion als eine schlechte Suchfunktion. Inzwischen empfehle ich meinen Kunden meist eine Integration der Google Site Search, die sich über eine API nahtlos integrieren lässt. Eine bessere Ergebnisqualität ist nur schwer zu bekommen und das ist nun mal das wichtigste Kriterium beim Thema Suche. Bei bis zu 20.000 Anfragen lässt sich die Google API für $100 im Jahr nutzen.

Experimente unerwünscht?

Die Navigation ist ein sensibler Bereich. Hier sind kleine Evolutionen statt grundlegende Revolutionen gefragt. Die Nutzer haben sich über lange Zeit an gewisse Muster gewöhnt und eben diese Muster machen eine Navigation erst intuitiv.

Experimente sind nur im kleinen Rahmen oder unter bestimmten Bedingungen angebracht. Sie benötigen vor allem Zeit, um dem Nutzer erklärt zu werden. Zeit, die ich nur habe, wenn ich ein eigenes Produkt anbiete. Die New York Times ist mit Times Skimmer einen experimentellen Navigationsweg gegangen, auf der normalen nytimes.com wäre das nicht realisierbar.

Die kürzeste Zusammenfassung aller Grundregeln trifft wohl immer noch Steve Krug am besten, der sein Buch betitelte: “Don't make me think”.

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